Ein neues Zeitalter der Suche
Wer heute einen Hoteltech-Anbieter oder eine Beratungsfirma für seine Probleme sucht, öffnet nicht mehr zwingend Google. Immer häufiger landet man bei ChatGPT, Perplexity, Copilot oder Claude und bekommt dort eine fertige Antwort, inklusive Empfehlung, ohne eine einzige Website besucht zu haben. ChatGPT erreicht inzwischen über 800 Millionen aktive Nutzer pro Woche, Perplexity verarbeitete allein im Mai 2025 rund 780 Millionen Anfragen.1
Parallel dazu verändern sich auch die klassischen Suchmaschinen: Google AI Overviews, die KI-Zusammenfassungen direkt in den Suchergebnissen, erscheinen mittlerweile bei rund 25% aller Suchanfragen, Tendenz steigend. Bei informationsgetriebenen Anfragen wie "beste Hospitality-Beratung" oder "Alternativen zu PMS-Anbieter X" liegt die Quote noch deutlich höher.2
Klicks? Nein. Zitate? Ja.
Das Grundprinzip hat sich verschoben. Früher war das Ziel: auf Seite 1 ranken, damit Nutzer auf den Link klicken. Heute gilt: von der KI als Quelle zitiert werden, damit Nutzer den Namen kennen, bevor sie überhaupt auf eine Website kommen. Dieser Mechanismus hat einen Namen: Generative Engine Optimization (GEO), definiert durch Forschende der Princeton University und Georgia Tech im Jahr 2023, inzwischen an der KDD-Konferenz 2024 als eigenständiges Feld etabliert.1
GEO wird SEO nicht ersetzen, sondern baut darauf auf. Wer in Suchmaschinen nicht auffindbar ist, wird auch von KI-Systemen kaum zitiert werden, denn beide schöpfen aus denselben Quellen: strukturiertem, glaubwürdigem Content, der auf vertrauenswürdigen Domains liegt. Was GEO zusätzlich erfordert, ist eine klare Sprache, konkrete Aussagen und Inhalte, die sich direkt als Antwort auf eine Frage extrahieren lassen. Genau das bevorzugen KI-Systeme gegenüber generischen Marketingtexten. Princeton-Forschende zeigen: Gezielte Inhaltsoptimierung steigert die Sichtbarkeit in KI-Antworten um bis zu 40%.3
Was das für B2B-Dienstleister bedeutet
Eine Studie von 10Fold Communications mit 400 Senior-Marketing-Entscheiderinnen in Nordamerika und Europa zeigt: KI-native Plattformen sind bereits die zweitgrößte Quelle qualifizierter Leads, nach Social Media und noch vor E-Mail-Marketing, organischer Suche und Paid Media.4
Besonders relevant: B2B-Recherchen sind exakt die Art von Anfragen, bei denen KI-Suche am stärksten wächst. Eine Analyse von Search Engine Journal zeigt, dass KI-Suchergebnisse bei B2B-Technologie-Anfragen zwischen März 2025 und März 2026 von 36% auf 82% angestiegen sind, ein Anstieg von 127% in nur einem Jahr.5
Für die Hotellerie ist das alles andere als abstrakt. Ein Hotelier, der ein neues PMS evaluiert, fragt heute nicht mehr nur seinen Netzwerkkontakt oder besucht eine Fachmesse. Er tippt seine Frage in ChatGPT, bekommt drei Systemvorschläge mit kurzer Begründung, und beginnt erst dann zu recherchieren. Dasselbe gilt für die Suche nach einem Channel Manager, einem RMS oder einer Beratungsfirma. McKinsey berichtet, dass 50% der Konsumenten KI-Suche bereits als primären Recherchekanal nutzen, nicht mehr als Experiment, sondern als Standard.6
Wer über eine KI-Antwort auf einen Anbieter aufmerksam wird, ist bereits deutlich weiter im Entscheidungsprozess als jemand, der zufällig auf eine Website stößt. Die KI hat eine Vorauswahl getroffen. Wer dort nicht vorkommt, kommt in vielen Fällen gar nicht erst in die engere Wahl.
Wer erscheint, wenn jemand fragt?
Stellt man einem KI-System die Frage "Welche Beratungsfirmen spezialisieren sich auf Hoteltechnologie im DACH-Raum?", entscheidet die KI auf Basis von Mustern: Webinhalte, Reviews, Erwähnungen auf Plattformen wie LinkedIn, Reddit oder in Fachpublikationen. Kurz gesagt: Wer online präsent und zitierfähig ist, taucht auf. Wer es nicht ist, taucht nicht auf. Forschungsdaten zeigen: Marken, die zu den Top 25% nach Web-Erwähnungen gehören, erzielen zehnmal mehr KI-Sichtbarkeit als der Rest.7
LinkedIn spielt dabei eine größere Rolle als viele ahnen. Laut Semrush-Daten von Januar 2026 gehören Reddit und LinkedIn zu den am häufigsten zitierten Domains über ChatGPT, Perplexity und Google AI Mode hinweg.2 Ein aktiv gepflegter LinkedIn-Auftritt ist kein Marketing-Extra, er ist ein messbarer Sichtbarkeitsfaktor.
Und noch etwas: Content muss zitierfähig sein. Klar strukturiert, faktendicht, mit konkreten Aussagen. Was KI-Systeme nicht mögen, sind generische Floskeln und aufgeblähte Texte, die nichts sagen. Studien aus dem GEO-Feld belegen, dass Keyword-Stuffing und vage Formulierungen sogar schlechter abschneiden als gar nicht optimierter Basisinhalt.8
Was jetzt zu tun ist
Das Zeitfenster ist offen, aber es schließt sich. Laut einer Umfrage tracken erst 16% der Unternehmen systematisch ihre KI-Suchperformance. Wer heute anfängt, sich als relevante Quelle zu etablieren, baut einen Vorsprung auf, der sich über Monate und Jahre akkumuliert.6
Für Hospitality-Unternehmen bedeutet das: Wer erklären kann, welche Probleme Hoteliers haben, wie Lösungen aussehen und welche Ergebnisse realistisch sind, in strukturiertem Content auf LinkedIn, in Fachmedien und auf der eigenen Website, wird von KI-Systemen als Referenz herangezogen. Das ist kein Zufall. Das ist das Ergebnis konsequenter inhaltlicher Arbeit.
Quellen
- 1Geoptie: GEO: The Definitive Guide [2026]
- 2Backlinko: How to Win in AI Search
- 3Smart Business Revolution: GEO Search Optimization 2025–2026
- 4BusinessWire / 10Fold: 2025 Study: AI Search & B2B Buyers
- 5Position Digital: 150+ AI SEO Statistics 2026
- 6Dojo AI: What is GEO? A 2026 Guide
- 7Omnius: GEO Industry Report 2025
- 8Wellows: Key GEO Statistics 2025
- 9Opollo: AI Search Benchmark Report 2026