Google verändert die Hotelsuche in Europa

Die Google-Suche für Hotels in Europa sieht seit dem 8. September 2026 anders aus, und in den kommenden Wochen wird sich noch mehr ändern. Für große Kettenhotels mit eigenen Digitalteams ist das eine Randnotiz. Für inhabergeführte Häuser, bei denen die Inhaberin oder der Inhaber Rezeption, Buchhaltung und Marketing oft in Personalunion stemmt, kann es dagegen über Sichtbarkeit und Direktumsatz entscheiden. Deshalb ordnen wir hier ein, was wirklich passiert und was jetzt konkret zu tun ist.

Der Hintergrund

Die EU-Kommission hat Google im Juli 2026 mit 460 Millionen Euro belegt, weil das Unternehmen eigene Dienste in der Suche bevorzugt haben soll, unter anderem im Bereich Hotels. Google bekam 60 Tage Zeit, die Praxis anzupassen. Was daraus entstanden ist, betrifft jedes Haus, das auf organische Sichtbarkeit bei Google angewiesen ist, ganz gleich ob mit fünfzehn oder mit hundertfünfzig Zimmern.

Änderungen

Die Suchergebnisse trennen jetzt zwei Bereiche voneinander: einen für Vermittler wie Booking.com, Expedia oder Tripadvisor, und einen für die Hotels selbst. Das bisher bekannte “Hotel Local Pack” ist verschwunden. An dessen Stelle steht ein neues Modul mit mehreren Vermittlern sowie ein separates "Hotel Sites"-Modul mit einzelnen Häusern.

Wichtiger als die Umbenennung ist der Funktionsverlust in der Hotel-Einheit. Google hat Echtzeitpreise, Datumsfilter und beschreibende Tags wie "boutique" oder "charmant" entfernt, gerade jene Tags, mit denen sich kleine, individuelle Häuser bislang von austauschbaren Kettenangeboten abheben konnten.

Ferienunterkünfte trifft es strukturell noch härter. Anders als bei Hotels hat Google seine eigene Vacation-Rentals-Einheit nicht nur funktionell eingeschränkt, sondern im europäischen Wirtschaftsraum vollständig aus der Suche entfernt, ohne Zeitplan für eine Rückkehr. Diese Einheit war ein provisionsfreies Buchungstor. Gäste gelangten direkt auf die eigene Buchungsseite des Gastgebers, ohne dass Google etwas berechnete. Genau dieser Kanal fällt jetzt weg. Übrig bleiben organische Treffer, die meist zu Airbnb, Booking etc. führen, also zu den Vermittlern mit Provisionsberechnung, die dieser Kanal bisher umgangen hat. Ein Hotel behält damit einen abgespeckten, aber sichtbaren eigenen Platz in der Suche, eine Ferienunterkunft hat diesen Platz im Kernsuchergebnis gar nicht mehr.

Ab dem 30. September 2026 bezieht Google Hotelraten nicht mehr automatisch von Drittanbietern. Wer als Hotel weiterhin einen Preis in der Google-Suche zeigen will, muss diesen selbst einspeisen, über das Google Hotel Center oder einen angebundenen Connectivity-Partner. Das betrifft nicht nur die organische Suche, sondern auch bezahlte Kanäle wie Hotel Ads und Performance-Max-Kampagnen.

Die Sichtbarkeit des Hauses selbst geht dadurch nicht verloren, Name und Link bleiben im Ergebnis erhalten. Ohne aktiv gepflegte Ratenanbindung fehlt ab Ende September jedoch der Preis, während die Vermittlerplattformen weiterhin prominent oben stehen. Für ein Gast, der auf den ersten Blick vergleicht, entscheidet in diesem Moment oft die Preisanzeige, nicht der weitere Klick auf die eigentliche Hotelwebsite.

Große Ketten verhandeln eigene Konditionen mit Vermittlern und haben Teams, die Konnektivität und Feeds laufend überwachen. Ein familiengeführtes Landhotel oder ein Boutiquehaus in Altstadtlage hat diese Ressourcen meist nicht. Genau hier warnte bereits der frühere IHA-Vorsitzende Otto Lindner bei einem ähnlichen Google-Test, dass unabhängige Häuser faktisch unsichtbar zu werden drohen, während dominante Plattformen von der DMA-Umsetzung profitieren. Diese Sorge ist mit dem aktuellen Umbau nicht kleiner geworden.

Die gute Nachricht: Der Hebel liegt diesmal nicht bei Google, sondern beim eigenen Haus. Wer die technische Anbindung sorgfältig pflegt, bleibt sichtbar und mit Preis in der Suche vertreten. Wer sie vernachlässigt, verschwindet preislich aus dem Blickfeld, ganz unabhängig davon, wie schön das Haus ist oder wie gut die Bewertungen stehen.

Handlungsempfehlung

Wir empfehlen, die eigene PMS- beziehungsweise Channel-Manager-Anbindung an Google Hotel Center zu prüfen, nicht erst nach dem 30. September. Konkret geht es darum, ob die Rate tagesaktuell und korrekt ankommt, ob ein Connectivity-Partner zuverlässig eingebunden ist, und ob die Website selbst technisch bereitsteht, um aus dem verbleibenden Klick auch tatsächlich eine Direktbuchung zu machen. Gerade für kleinere Häuser lohnt sich dabei ein Blick von außen, damit an keiner Stelle der Kette ein Feed ins Leere läuft.


Quellen

  • 1Reuters: Google warns of lower quality as it revamps Europe search results to avoid EU fines, 8. September 2026
  • 2PhocusWire: Google removes vacation rentals unit from search results in the EEA, 8. September 2026
  • 3Lluc B. Penycate (@Lluc_SEO) auf X, Beobachtungen zum Rollout der neuen Hotelsuche-Anzeige, 8. September 2026
  • 4Google Hotel Center-Hilfe: Orte, an denen Ihre Preise angezeigt werden können, support.google.com/hotelprices/answer/11202391